Der Selige Edmund von Bojanowski
Die Ordensgemeinschaft der Schwestern Mägde Mariens von der Unbefleckten Empfängnis wurde von Edmund von Bojanowski. (*14.11.1814, +07.08.1871) gegründet.
Er entstammt einer Gutsbesitzerfamilie aus Grabonog (Provinz Posen) und studierte in Breslau und Berlin Philosophie, Kunstgeschichte, Psychologie und Musikgeschichte. Mehrmals begann er das Theologie-studium, das er aus Gesundheitsgründen immer wieder abbrechen musste. So konnte sich sein großer Wunsch, Priester zu werden, nicht erfüllen.
Nach dem Studium sammelte er Volksgeschichten und Volkslieder, um sie für das einfache Volk herauszugeben. In Gostyn richtete er für die arme Landbevölkerung die erste Leihbibliothek ein. Er suchte die ärmsten Familien auf um Hilfe zu leisten. So lernte er die Sorgen um die materielle Existenz der Armen kennen, sprach Priester und Gutsbesitzer um Hilfe an und gründete in Gostyn ein kleines Krankenhaus für die Armen, zu dessen Leitung Vinzentinerinnen kamen.
Vom Westen übernahm er die Idee der ersten dörflichen Kinderbetreuungsstätten.
Nach einer Choleraepidemie war die Not der Kinder besonders deutlich. Daraufhin gründete er 1850 die erste Kinderbewahranstalt in Podrzecze, mit Hilfe von drei jungen Frauen, die Interesse am Ordensleben und an der sozialen Tätigkeit hatten. Ziel der Bewahranstalten war, die Kinder in moralischer und materieller Hinsicht mit Fürsorge zu umgeben.
Edmund von Bojanowski unterwies die Ordensschwestern in der pädagogischen Tätigkeit und im geistlichen Leben sowie in den Grundlagen der Krankenpflege. Neben der Kinderbetreuung sollten sie Armen und Kranken beistehen und sich ihren Lebensunterhalt durch landwirtschaftliche Arbeit verdienen. Immer drei Mädchen bildeten eine klosterähnliche Gemeinschaft und nahmen sich der Kinder an. Sie bildeten die Keimzelle für die neue Schwesternkongregation.
Bojanowski gab ihrem Leben einen ordensmäßigen Stil, schrieb Regeln für sie und stellte sie unter den Schutz der Gottesmutter Maria. So gründete er als Laie die Ordensgemeinschaft der Schwestern Mägde Mariens von der Unbefleckten Empfängnis.
Immer mehr junge Frauen der armen Dorfjugend baten Edmund von Bojanowski um Aufnahme in diese Gemeinschaft, um ein klösterliches Leben mit pädagogischer Tätigkeit führen zu können. Gutsbesitzer traten mit dem Wunsch an ihn heran, Kinderbewahranstalten einzurichten, was dazu führte, dass in den nächsten Jahren neue Einrichtungen im Posener Land entstanden.
Das Charisma von Bojanowski erwies sich als ungewöhnlich dynamisch. Trotz schwieriger finanzieller und politischer Bedingungen entwickelte sich die Kongregation.
1861 wurde die erste Niederlassung im Land Galizien eröffnet, wo auch bald ein Noviziat in Stara Wies entstand. Galizien war unter österreichischer Herrschaft, die den Kontakt zu Preußen nicht duldete. So trennte sich der Zweig am 1866 vom Stammhaus und es entstand eine eigene Kongregation der Mägde Mariens in Stara Wies. 1866 kamen die ersten Schwestern aus Posen nach Schlesien.
Aus politischen Gründen gab es gerade zur Zeit des Kulturkampfes mit den Maigesetzen 1875 immer mehr Schwierigkeiten. Preußen duldete nur deutsche Schwestern, die Tätigkeit mit Kindern wurde untersagt. Jetzt wurden sie für die Krankenpflege ausgebildet. Das war die Grundlage, dass Mägde Mariens neben der ambulanten Krankenpflege auch in Krankenhäusern arbeiteten.
Viele polnische Schwestern gingen in dieser Zeit nach Galizien, wo mehr Freiheit war und wo sie gern aufgenommnen wurden. So entstand dort 1890 die zweite Kongregation in Debica.
Politisch wurde die Trennung von Posen und Schlesien gefordert, was dazu führte, dass die Schwestern sich entscheiden mussten, zu welchem Zweig sie gehören wollten. In Schlesien war zudem die Kenntnis der deutschen Sprache Pflicht. So kam es 1897 erneut zur Teilung der Kongregation, ein Zweig war in Posen, einer in Oberschlesien.
1910 wurden vom Schlesischen Zweig der Mägde Mariens elf Filialen in Deutschland gegründet. Nach dem zweiten Weltkrieg kamen ca. 200 Schwestern durch die Evakuierung nach Deutschland, wo daraufhin eine deutsche Provinz errichtet wurde. Durch die Teilung Deutschlands entstanden zwei deutsche Provinzen, die nach der Wiedervereinigung bald zusammengeschlossen wurden. Das Provinzhaus der deutschen Ordensprovinz ist in Köln-Junkersdorf.
Heute leben bzw. arbeiten die Ordensschwestern der Mägde Mariens im Berliner Raum bei uns im Seniorenheim St. Richard, im Joseph- Krankenhaus und Bischof- Kettler- Haus in Weißensee, im Seniorenzentrum St. Elisabeth in Wilhelmshorst und in der Kirchengemeinde St. Theresia vom Kinde Jesu in der Pflege oder Seelsorge.
Die ca. 800 Ordensschwestern der Mägde Mariens (Zweig Breslau/ Schlesien; Stand 2005) haben weitere Niederlassungen in Deutschland, Europa und darüber hinaus.
Am 13. Juni 1999 wurde Edmund von Bojanowski durch Papst Johannes Paul II. in Warschau selig gesprochen.